Husten, Schnupfen, Heiserkeit

    Ein Allroundmittel gibt es nicht 

    Bei einer Erkältung ist keine kausale Therapie möglich, d. h. es können nur die Symp­tome behandelt werden. Hierfür hält die Apotheke eine Reihe von rezeptfreien Arzneimitteln bereit. Manch einer greift dann gern zum Kombinationspräparat, das Hilfe gleich gegen sämtliche Erkältungsbeschwerden verspricht. Viele Ärzte sehen die Einnahme von Kombipräparaten jedoch kritisch und plädieren dafür, besser ein Symptom gezielt mit einem Monopräparat zu bekämpfen.

    Von Dr. Nina Schreiber

    Erkältungsviren befallen zunächst die oberen ­Atemwege, allen voran die Schleimhaut von Nase und Nasennebenhöhlen; meist sind auch Rachen und Hals in Mitleidenschaft gezogen. Breiten sich die Erreger bis in die Schleimhaut der unteren Atemwege aus, gesellt sich eine akute Bronchitis oder, wenn auch die Luftröhre betroffen ist, eine Tracheobronchitis dazu.

    Insgesamt unterscheiden die Wissenschaftler mehr als 200 Viren. Und weil sich viele von ihnen immer wieder verändern, ist es dem Körper unmöglich, gegen alle Erreger schützende Antikörper zu bilden.

    Vor allem die ersten drei Tage sind für viele eine Zeit des Elends; manchmal hilft dann nur noch Bettruhe. Aber auch wenn die Symptome nicht so stark ausgeprägt sind, sollte man in dieser Zeit kürzer treten, körperliche Anstrengung vermeiden und möglichst viel schlafen. Auf diese Weise wird das Immunsystem, das gerade auf Hochtouren arbeitet, am besten unterstützt. Ansonsten bleiben die therapeutischen Möglichkeiten auf die Linderung der Symptome beschränkt, denn eine kausale Therapie gibt es nicht. Welches Mittel wäre auch in der Lage, gegen mehr als 200 Viren gleichermaßen wirksam zu sein – und das möglichst umgehend und ohne unerwünschte Wirkungen hervorzurufen?

    Bei Kombinationsmitteln ist Vorsicht geboten

    Auch Kombinationspräparate, die gleichzeitig gegen Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Fieber helfen sollen und deshalb mehrere Wirkstoffe enthalten, behandeln nicht die Ursache der Erkrankung.

    Zudem ist bei ihnen die Gefahr für Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten höher als bei Medikamenten, die nur ein Erkältungssymptom gezielt bekämpfen. So hat z. B. ein Wirkstoff aus der Gruppe der Amphetamine, der in einigen Grippemitteln enthalten ist, eine aufputschende Wirkung und kann Nebenwirkungen wie Herzrasen, Blutdruckanstieg und Unruhe auslösen. Andere machen müde oder beeinträchtigen die Reaktionsfähigkeit.

    Hinzu kommt: Nicht alle Symptome, die mit Kombinationspräparaten bekämpft werden, hat man gleichzeitig oder zumindest in der gleichen behandlungsbedürftigen Intensität. Dadurch kann es zu einer unnötigen Überbehandlung kommen. Es kann aber auch sein, dass die Dosis der einzelnen Wirkstoffe nicht ausreicht, um die besonders argen Beschwerden effektiv zu lindern – eine indivi­duell abgestimmte Behandlung mit Kombinationsmitteln ist also letztlich kaum möglich. Darüber hinaus sind in den Medikamenten oft Wirkstoffe enthalten, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist – ein Aspekt, den viele Ärzte kritisch sehen. Deshalb ist es sinnvoller, die Beschwerden getrennt zu behandeln, also etwa eine verstopfte Nase kurzzeitig mithilfe eines abschwellenden Nasensprays freizumachen oder Salbeilutschbonbons zu lutschen, um Halsschmerzen zu lindern.

    Fragen Sie Ihren Apotheker

    Da Erkältungsmittel in der Regel nicht mehr auf Kassenrezept verordnet werden dürfen, sind Apotheker oft die ersten Ansprechpartner. Von ihnen kann man sich fachkundig beraten lassen, welches Präparat gegen welches Symptom am besten hilft. Besteht bereits eine Grunderkrankung wie Bluthochdruck oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung, ist es wichtig, den Apotheker darüber zu informieren. Denn dann kann es sein, dass ein eigentlich bewährtes Mittel nicht infrage kommt.

    Zu Beginn einer Erkältung, bei Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen helfen …

    Bäder mit einem Zusatz aus Menthol-, Eukalyptus-, Thymian- oder Fichtennadelöl. Sie fördern die Durchblutung, lindern Gliederschmerzen und erhöhen die Körpertemperatur. Ihre ätherischen Öle wirken zudem schleimlösend. Ein Erkältungsbad ist jedoch tabu, wenn Sie Fieber haben!

    Tees mit Lindenblüten und/oder Holunderblüten, die schweißtreibend wirken und so für eine Absenkung von leichtem Fieber sorgen. Steigt das Fieber auf Werte über 39 °C könnte eine »echte« Grippe (siehe Seite 20f) dahinterstecken; dann gleich zum Arzt!

    Schmerzmittel wie Acetyl­sali­cylsäure, Ibuprofen und Paracetamol, die sich bei Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen bewährt haben. Ohne ärztliche Absprache sollten diese Mittel jedoch nicht länger als drei Tage eingenommen werden.

    Gegen Schnupfen empfehlen sich …

    Kochsalz- und Meerwasser­lösungen, die den Schleim verflüssigen und lösen.

     abschwellende Nasentropfen oder -sprays (z. B. Oxymetazolin, Xylometazolin). Sie verengen Blutgefäße in der Nasenschleimhaut mit dem Effekt, dass die Nasenschleimhaut abschwillt. Länger als fünf Tage sollten Sie abschwellende Nasentropfen nicht anwenden.

    pflanzliche Schnupfenmittel (z. B. Sinupret®, Gelomyrtol®), die schleimlösend und entzündungshemmend wirken.

     Einreibungen der Brust mit ätherischen Ölen, z. B. Thymian-, Pfefferminz-, Cajeput- oder Eukalyptusöl. Tragen Sie die Öle nicht pur auf, sondern mischen Sie fünf Tropfen in 50 Milliliter Jojobaöl, und massieren Sie dann einen Esslöffel davon ein.

    Inhalationen bzw. Dampfbäder (mit Dampfinhalatoren aus der Apotheke) mit Wasserdampf oder bei denen z. B. Kamillenblüten zum Einsatz kommen. Sie lindern eine verstopfte Schnupfennase und wirken entzündungshemmend. Danach nicht rausgehen, sondern im Warmen bleiben.

    Halsschmerzen bessern sich durch …

    Gurgeln mit lauwarmem Salzwasser oder Salbeitee oder durch Gurgeln mit antiseptischen Wirkstoffen (z. B. Chlorhexidin).

    Lutschen von Salbeibonbons.

     heiß getrunkenen Salbei- oder Ingwertee.

    Bei Husten helfen …

    Säfte oder Tropfen mit einer schleimlösenden Wirkung (z. B. standardisierte Extrakte aus Thymian oder Efeu bzw. chemische Substanzen wie Acetylcystein, Ambroxol, Bromhexin). Sie sorgen für eine rasche Besserung von Husten mit Auswurf.

    Hustenstiller – aber nur, wenn ein trockener Reizhusten besteht. Sie sollten dann allerdings nur nachts zum Einsatz kommen, wenn der Husten nachhaltig die Schlafruhe stört. Das gilt insbesondere für Hustenstiller, die Codein enthalten, ein Wirkstoff, der nicht nur ein hohes Suchtpoten­zial hat, sondern auch müde macht und das Reaktionsvermögen herabsetzt. Keinesfalls sollten Hustenstiller angewendet werden, wenn es sich um Husten mit Auswurf handelt; in diesem Fall ist es wichtig, dass der Schleim abgehustet werden kann.

    Hustenbonbons, die die Speichelproduktion anregen und so dazu beitragen, dass der Hustenreiz nachlässt.

    Inhalationen mit Salzlösung oder mit Pflanzentinkturen (z. B. Thymian, Eukalyptus, Pfefferminz).

    Brustwickel mit Thymian, die sich vor allem für kleinere Kinder mit Husten bewährt haben.

     

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