Bescheid wissen. Gesund bleiben.

Was auf der Piste schief gehen kann 

Allein in Deutschland gehen jedes Jahr mehr als vier Millionen Skifahrer und Snowboarder auf die Piste.  Mitunter endet der herrliche Tag im Schnee jedoch jäh in der Arztpraxis: Volle Pisten und schnelle Abfahrten, aber auch Selbstüberschätzung, mangelndes Training, Erschöpfung und nicht zuletzt Alkohol sorgen immer wieder dafür, dass es zu Stürzen und Zusammenstößen kommt.

Was man tun kann, um sich (besser) zu schützen und welche Therapiemöglichkeiten den Orthopäden im Ernstfall zur Verfügung stehen, darüber sprach TOPFIT mit den Münchner ­Orthopäden Dr. Werner Zirngibl und Dr. Felix Söller vom MVZ im Helios.

Von Dr. Nicole Schaenzler

Skifahrer und Snowboarder sollten auf der Piste fit sein: Muskeln, Bänder, Sehnen und Gelenke müssen Richtungswechsel blitzschnell und sicher umsetzen können, wenn beispielsweise eine Eisplatte auftaucht, eine Pistenraupe die Fahrt versperrt oder eine Buckelpiste volle Konzentration verlangt. Hierfür sind Beweglichkeit und Koordination, aber auch Kraft und Ausdauer wichtig – und dies am besten von Anfang an: »Auf keinen Fall sollte man untrainiert in die Skisaison starten«, rät Dr. Zirngibl. »Durch mangelnde Fitness besteht nicht nur ein erhöhtes Überlastungsrisiko, sondern auch Verletzungs- bzw. Unfallgefahr. Wer längere Zeit keinen Sport getrieben hat, sollte mindestens sechs Wochen vor dem Skiurlaub mit einem gezielten Fitnesstraining beginnen.«

 Kurse gibt es überall

Sinnvoll ist z. B. ein auf den individuellen Leistungsgrad abgestimmtes Konditionstraining, am besten kombiniert mit einem Sprungkrafttraining und einem ausgewogenen Programm für Bauch, Rücken und Oberkörper. Sportvereine und Fitnesscenter bieten entsprechende Kurse an, ebenso sind spezielle Angebote für Wintersportler, etwa Skigymnastik, empfehlenswert. Aber natürlich kann man sich auch ohne Anleitung eines Trainers gut auf die Skisaison vorbereiten, z. B. durch Joggen, Inline-Skaten, regelmäßige Einheiten auf dem Laufband oder durch klassische gymnastische Übungen wie Liegestützen, Kniebeugen und Strecksprünge.

Hard- oder Softboots?

Auch die richtige Ausrüstung hilft dabei, Unfälle und Verletzungen zu minimieren. Die Länge von Ski und Snowboard richtet sich nach der Körpergröße und dem sportlichen Können; außerdem sollten ihre Kanten und Beläge kontrolliert und eventuell erneuert werden. Um herauszufinden, ob die Bindung noch optimal eingestellt ist, ist der Fachmann gefragt: Er misst den Durchmesser des Schienbeinkopfs, erfragt Gewicht und Fahrkönnen und stellt die Empfindlichkeit passend ein. Zudem sollte die Bekleidung nicht ausschließlich modischen Kriterien entsprechen. So hat z. B. eine gute Snowboardhose einen besonders stabilen Gesäßbereich und besteht aus rutschhemmendem Material; Schutz vor schmerzhaften Blessuren bieten »Impact-Shorts« mit diversen Polstern, z. B. an Hüfte, Steiß, Vorder- und Rückseite des Oberschenkels.

Ob für Snowboarder Softboots oder Hardboots besser geeignet sind, hängt nicht zuletzt damit zusammen, wie sehr man das typische Gleitgefühl schätzt – dies ist nämlich nur mit Softboots möglich. Allerdings sollte man wissen, dass mit Softboots mehr Sprunggelenksverletzungen als mit Hardboots auftreten: »Menschen, die bereits eine Bänderverletzung am Sprunggelenk hinter sich haben oder deren Bänder von Natur aus sehr labil sind, sollten deshalb auf jeden Fall Softboots wählen, die eine spezielle Verstärkung haben – oder sich doch für Hardboots entscheiden«, sagt Dr. Zirngibl.

Wer Köpfchen hat, trägt einen Helm . . .

Mehr als zehn Prozent aller Skiunfallopfer müssen wegen einer Verletzung am Kopf in der Klinik behandelt werden. Dabei könnten die meisten Kopfverletzungen vermieden werden, wenn konsequent ein Helm getragen würde. In vielen europäischen Skigebieten herrscht denn auch inzwischen Skihelmpflicht zumindest für Kinder und Jugendliche (z. B. in Österreich, Italien oder Polen) – nach wie vor aber nicht in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. »Ob eine Skihelmpflicht besteht oder nicht: Jeder sollte wissen, dass mit einem Skihelm Schlimmes verhütet werden kann«, mahnt Dr. Söller. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Helm mit einem GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit versehen ist, das als Prüfsiegel den erforderlichen Qualitätsstandard garantiert.

. . . und einen »Rückenpanzer«!

Auch Handschuhe mit Versteifung sowie harte oder weiche Rückenprotektoren zum Schutz der Wirbelsäule können zu einer größeren Sicherheit im Skisport beitragen. Die »Rückenpanzer« gibt es im Wesentlichen in zwei Ausführungen: als reine Protektoren, die mit Schulter- und Bauchgurt am Körper befestigt werden, sowie als Protektorenwesten, bei denen der Protektor in die (ärmellose) Weste integriert ist. »Wichtig ist, dass die Größe stimmt und dass der Protektor die Wirbelsäule wirklich von oben bis unten schützt – also von der Hals- bis zur Lendenwirbelsäule. Zudem gibt es Protektoren, die zusätzlich den Schulterbereich und/oder die Rippenbögen schützen«, erklärt Dr. Söller. Seit immer mehr Skifahrer und Snowboarder Protektoren tragen, ist die Zahl der schweren Wirbelsäulen- bzw. Rückenmarksverletzungen deutlich gesunken. Übrigens: Nach einem Aufprallunfall beim Skifahren sollten Protektoren nicht mehr verwendet werden, da sie bei einem erneuten Unfall nur noch eine verminderte Dämpfungswirkung haben können.

Alkohol ist tabu!

Was auf der Straße gilt, ist auch auf der Piste richtig: Voll konzentriert zu sein und stets den Überblick zu behalten, um auf Unvorhergesehenes im Zweifelsfall rasch reagieren zu können – diese Grundvoraussetzungen für eine möglichst große Sicherheit im Skisport sind nur dann gewährleistet, wenn der Alkohol konsequent aus dem Spiel gelassen wird. Fakt ist, dass sich die meisten Ski- und Snowboardunfälle nachmittags ereignen – oft weil der Durst in der Mittagspause mit Bier, Jagertee oder einem anderen alkoholischen Getränk gelöscht wurde.

Kinder brauchen Pausen!

In den letzten Jahren haben auch die Unfälle durch Zusammenstöße zugenommen: Typischerweise überholt ein schnellerer Fahrer, ohne mit den weiten Bögen der Anfänger zu rechnen. Umgekehrt wissen Anfänger mögliche Gefahren für sich und andere durch Fehlverhalten mitunter noch nicht richtig einzuschätzen – dann kann es schon mal passieren, dass z. B. direkt hinter einer unübersichtlichen Kurve oder einer Sprungschanze pausiert wird. Auf der Piste sind Rücksicht und Weitsicht gefragt: Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren und sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt – so lautet die erste der insgesamt zehn international gültigen Regeln, die der Internationale Skiverband (FIS) aufgestellt hat.

Weitsicht ist schon bei der Planung gefragt – insbesondere, wenn man mit Kindern unterwegs ist, die meist sehr viel schneller müde und erschöpft sind als Erwachsene. »Zwei Stunden am Vormittag und dann noch einmal zwei Stunden nachmittags nach einer ausgiebigen Mittagspause sind vor allem für kleinere Kinder angemessen«, so Dr. Söller, »sonst sind sie überfordert und die Unfallgefahr steigt.«

Abseits der Piste? Vorsicht Lawinengefahr!

Abseits der Piste fahren – wen lockt das nicht? In Ordnung ist das Variantenfahren allerdings nur für wirklich erfahrene Skifahrer, die mit allen Schneeverhältnissen zurechtkommen, über das entsprechende Wissen verfügen (Lawinenkurs!), die aktuelle Lawinengefahr erfragt haben und richtig ausgerüstet sind: Das Lawinensuchgerät ist angeschaltet, umgeschnallt und gecheckt, die Lawinenschaufel steckt im Rucksack, und die aktuelle Lawinensituation in der Region ist bekannt. Lawinenairbags sollen die Überlebenschancen in einer Lawine erhöhen. Andererseits motivieren sie möglicherweise sogar zu einem leichtfertigeren Umgang mit dem Risiko. Wichtig ist natürlich auch, dass abseits der Piste nur in Gruppen und mit ausreichend viel Sicherheitsabstand voneinander gefahren wird.

 

Das MVZ im Helios

Vernetzte Gesundheitsversorgung zum Wohl des Patienten — auf diesem Grundgedanken basiert das Medizini­sche Versorgungs-Zentrum (kurz MVZ im Helios) in München. ­Gegründet wurde das MVZ für Ortho­pädie, Neurochirurgie und Anästhesie Ende 2005 von den Orthopäden Dr. med. Heribert Konvalin, Dr. med. Werner Zirngibl, Dr. med. Steffen Zenta und Dr. med. Felix Söller.  Die Stärke des MVZ im Helios besteht in der abgestimmten ortho­pädischen Versorgung aus einer Hand: von der Vorsor­ge bis zur individuellen OP-Nachbehandlung, von der Diagnostik mit moderner Medizintechnik bis zur ganzheitlichen Beratung, bei der der Mensch im Vordergrund steht.

Nähere Infos: www.mvz-im-helios.de 

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