Warum Vorsorge Leben retten kann

Zum 25. Mal steht der März in Deutschland ganz im Zeichen der Vorsorge und Behandlung der Krankheit. Die Ziele der unerwarteten Kampagne sind: das Bewusstsein für Darmkrebs zu schärfen, über Prävention aufzuklären und die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen zu erhöhen. 

von Dr. Nina Schreiber

Auch wenn die Zahl der Darmkrebs-Todesfälle in Deutschland in den letzten 20 Jahren um etwa 17 Prozent gesunken ist – Darmkrebs ist hierzulande weiterhin die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache: Jährlich erkranken etwa 55 000 Menschen neu und mehr als 
24 000 sterben daran. Dabei könnten die meisten dieser Todesfälle vermieden werden – und zwar durch konsequente Früherkennung, wie viele Studien eindrucksvoll gezeigt haben.

Darmkrebs ist lange Zeit eine »stille« Krankheit: Typische Symptome wie Schmerzen oder Blut im Stuhl machen sich oft erst bemerkbar, wenn der Tumor bereits Metastasen in anderen Organen abgesiedelt hat. Hat der Tumor – sehr oft in der Leber – gestreut, sind die Heilungsaussichten deutlich geringer. Wird ein Dickdarmkarzinom jedoch zufällig entdeckt, kann der Patient durch eine Operation meist geheilt werden.
Was die Darmkrebsvorsorge betrifft, zählt Deutschland zu den Ländern, die eine Darmspiegelung (Koloskopie) schon früh in das gesetzliche Krebsfrüherkennungsangebot aufgenommen haben: Seit 2002 haben hierzulande Menschen ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren; Mittlerweile gibt es dieses Angebot für Männer und Frauen schon ab 50 Jahren. Wer in seiner Familie bereits mehrere Fälle von Darmkrebs zu beklagen hatte, trägt ein erblich bedingtes erhöhtes Erkrankungsrisiko und sollte seinen Darm schon deutlich früher untersuchen lassen. Als allgemeine Altersempfehlung gilt: etwa zehn Jahre früher als das Alter, bei dem der Angehörige Darmkrebs entdeckt hat.

Darmspiegelung mit dem Endoskop

Zwar gibt es auch die Möglichkeit, das Darminnere mithilfe einer computertomographischen Untersuchung (virtuelle Koloskopie) zu untersuchen, die Fachwelt hält jedoch die Darmspiegelung mit einem Endoskop derzeit für die genaueste Untersuchungsmethode zur Darmkrebs-Früherkennung. Denn mit dieser Methode können bereits kleinste krankhafte Veränderungen der Dickdarmschleimhaut erkannt und gegebenenfalls umgangen werden. Dabei gilt das besondere Augenmerk des Arztes den adenomatösen Polypen, denn sie gehören zu den gutartigen Vorstufen von Dickdarmkrebs. Werden diese Polypen endoskopisch abgetragen, wird der Prozess der Tumorentstehung unterbrochen – und die Krebsgefahr ist gegeben. Wie z. B. das Deutsche Krebsforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft betont, kann die Untersuchung auch eine echte »Krebsvorsorge« sein und vor Krebs schützen.

So läuft die Untersuchung ab 

Bei der Darmspiegelung wird ein flexibles schlauchförmiges Instrument über den After in den Dickdarm eingeführt. Es ist mit einer Lichtquelle, einer Videosonde und einem Arbeitskanal ausgestattet und liefert farbige Bilder der gespiegelten Darmabschnitte auf einen Bildschirm. So können die einzelnen Darmabschnitte genau begutachtet werden und, wenn nötig, kleine Polypen sofort entfernt werden. 
Die Darmspiegelung ist eine sichere, unkomplizierte Untersuchung und wird ambulant durchgeführt. Viele lassen sich für die Untersuchung ein Schlafmittel geben, das sie für die Zeit der Untersuchung in einen Art Dämmerschlaf versetzt. So bekommt man von der Untersuchung praktisch nichts mit. Allerdings: Da man in diesem Fall zwölf Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen darf, sollte man nicht ohne Begleitperson nach Hause gehen. 

Die Vorbereitungszeit – nicht weiter schlimm

Insgesamt dauert die Darmspiegelung nicht länger als 20 bis 30 Minuten. Man muss jedoch eine gewisse Vorbereitungszeit einplanen. Denn nur wenn der Darm vollständig entleert ist, ist es dem Arzt möglich, im Inneren des Darms alles Auffällige sicher zu erkennen. Hierfür ist eine Reinigung des Darms nötig, die mithilfe von Abführlösungen und einer kurzzeitigen Ernährungsumstellung für etwa 24 Stunden erfolgt. 
Nach der Darmspiegelung kann man wieder essen und trinken, weshalb man Lust und Appetit hat. Und: War der Befund unauffällig, genügt es in den allermeisten Fällen, wenn die Darmspiegelung zur Vorsorge erst in zehn Jahren wiederholt wird.

 

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